Lost

Nichts schlägt mit solch voller Wucht die Beine weg wie die Konfrontation mit der Vergangenheit. Ob bewusst oder unbewusst. Ein Gedanke, ein Traum, eine Erinnerung; ganz egal was und du bist all dem wieder genauso machtlos ausgeliefert wie zu den Zeiten, die dich gebrochen haben. Der Schmerz im Inneren zerfetzt dich auf’s Neue, die Hilflosigkeit lähmt dich und du wünschst dir von ganzen Herzen, dass da jemand ist, der dich vor all dem beschützt, dich an die Hand nimmt, dich führt, dich ganz fest in die Arme nimmt und dir zeigt, dass du nicht immer stark sein musst. Weil du das nämlich schon lange nicht mehr kannst. Stark sein.

Aber da ist niemand. Die Wohnung ist still und leer. Das noch irgendwo Leben in ihr ist, merkst du nur, weil du dich selbst schluchzen hören kannst. 

Kleine Dinge werden ganz groß in ihrer Dunkelheit, große Dinge werden übermächtig. Leichtigkeit und Hoffnung sind für kurze Zeit da und werden dann vom Leben, dem Schicksal oder wem auch immer wieder zertrampelt. 

Besser alles weg sperren, niemanden an sich heranlassen. Einsam biste ja eh schon.

Jeden Tag wieder aufstehen und am normalen Leben teilnehmen übersteigt jede Kraft. Und je mehr Kraft es kostet, um so häufiger kommen die dunklen Tage. Es ist Mai, draußen ist das Wetter, nach dem du dich seit Monaten gesehnt hast, weil du die Hoffnung hattest, dass die Sonne alles vielleicht ein bisschen besser macht. Leider nicht. Licht wird zum Feind, abgedunkelte Räume und eine Decke zu Verbündeten. Denn egal wie warm es ist, du frierst. Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit nehmen zu, der Zustand verschlechtert sich immer mehr und immer wenn du dachtest, du hättest dich schon verloren, wird dir klar, dass das Loch dafür offenbar bodenlos ist. 

Der Gedanke, dass es so nicht weitergehen kann, hält sich hartnäckig und ist am Ende wohl als einzig positives Zeichen zu sehen. Weil du noch erkennst, dass es nicht mehr geht und damit vielleicht die Chance hast, etwas dagegen zu tun. 

Angstattacken und die bodenlose Traurigkeit dürfen nicht ständige Begleiter sein. Medikament können helfen, aber die Angst beherrscht auch dieses Feld. 

Leben oder sterben. Ist doch egal. 

Was tun? 

Da sind schon lange nur noch Fragen und keine Antworten mehr. 

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