Wenn die Liebe ein Schlachtfeld ist…

dann ist das jetzt Dein Den Haag.

(Muff Potter)

Manchmal ist die Hoffnung stärker als der Schmerz. Es ist erstaunlich, wie viel man ertragen, herunterschlucken und weg sperren kann, wenn man eigentlich schon gar nicht mehr kann und dabei trotzdem immer wieder hofft, dass es ein gutes Ende nehmen wird. Obwohl klar ist, dass das nicht passieren wird. 

2,5 Jahre Beziehung, die mir mehr abverlangt haben, als mir bewusst war, in denen ich aber nie die Hoffnung aufgegeben habe. Wenn ich mich für einen Partner an meiner Seite entscheide, dann stehe ich an seiner Seite. Immer. So wie ich an Deiner Seite gestanden habe. Immer. Du hast mir dabei gezeigt, dass ich dabei sogar weit über meine eigenen Grenzen gehen kann. 

Nach einem halben Jahr hatten wir unseren ersten Streit, der mit das Schlimmste war, was ich bis dahin in einer Beziehung erlebt habe. Du hast mich verhöhnt, beschimpft und sogar mein eigenes Kindheitstrauma gegen mich gewendet, einfach nur, weil Du mich in Deiner Wut verletzten wolltest. Ich habe nie fassen können, dass man so etwas einem anderen Menschen antun kann. Nicht mal, wenn einem nichts an diesem liegt. 

Aber ich habe es heruntergeschluckt und gehofft. 

Viele weitere Streits folgten, in ihrer Härte mindestens genauso schlimm, oft schlimmer. Wir haben uns beide nicht richtig verhalten, ich habe mich in meiner Verletzung von meiner Wut leiten lassen, was leider nicht dazu geführt hat, dass sich die Situationen beruhigten. Ich kann wütend werden, aber es gibt eine rote Linie, die ich nicht übertreten würde. 

Du hast versucht, mir das Gegenteil davon einzureden, mir das Gefühl gegeben, dass ich das Problem bin. Wieder die Überschreitung einer Grenze, denn Du kennst meine Geschichte, Du weißt, wie man mich verletzen kann und was meine Wunden aus der Vergangenheit wieder aufreißen lässt. 

Aber ich habe es heruntergeschluckt und gehofft.

Du hast angefangen, dich immer weniger für mich zu interessieren. Dinge, die mich bewegt oder beschäftigt haben, hast Du Dir gar nicht angehört, mir sogar ins Gesicht gesagt, dass sie Dich nicht interessieren. Meine Meinung war nie für Dich von Belang. Gegenseitiges Stützen und Unterstützen in einer Beziehung sind Fremdworte in Deiner Welt.

Und ich habe es heruntergeschluckt und gehofft. 

Du hast Dinge für Dich wie selbstverständlich in Anspruch genommen, sie mir aber verwehrt und mir dafür maximal schale Ausreden präsentiert. 

Ich habe es heruntergeschluckt und gehofft. 

Du hast mich in schweren Zeiten und eigentlich immer allein gelassen, meine Ängste missachtet und bist immer nur so weit mitgegangen, wie es für Dich komfortabel war. Du hast gewußt, welche Themen mir Bauchschmerzen bereiten, ja sogar starke Ängste auslösen und Du hast es ignoriert und Dein Ding weiter durchgezogen. Ohne Rücksicht. 

Ich habe es heruntergeschluckt und gehofft. 

Weil Du mir immer wieder gesagt hast, dass Du mich über alles liebst.

Aber Du hast das alles immer wieder gemacht. Hast meine Verzweiflung an Dir abprallen lassen. Hast meine Bedürfnisse weiter ignoriert. Stattdessen hast Du aus meinen Gefühlen eine Angriffsfläche gemacht und immer wieder darauf geschossen. Du hast getan, als wären meine traurigen Emotionen ein Zeichen für meine vermeintliche Charakterschwäche. Lustig, dabei hast Du Dir in den ganzen 2,5 Jahren nie die Mühe gemacht, mich wirklich kennenzulernen. Meine Vergangenheit hat Dich genauso wenig interessiert, wie unsere Gegenwart.

Ich habe es heruntergeschluckt und gehofft. 

Du hast mir immer wieder versprochen, dass wir einen Weg finden werden, damit alles wieder gut wird.

Und es am nächsten Tag schon wieder ignoriert. 

Und ich habe wieder gehofft. 

In mir drin sind viele Dinge im Laufe der Zeit kaputt gegangen. Mein Vertrauen ist immer weniger geworden, die Hoffnung ist aber immer geblieben.

Ich wollte es so sehr. Ich wollte Dir so gerne zeigen, dass wir ein gutes Leben haben können, wenn Du nur aufhören würdest, alle Gute zu bekämpfen und endlich sehen würdest, was wir hätten haben können. 

Aber dazu bist Du gar nicht fähig. Dafür kreist du viel zu sehr um Dich selbst. Neben Dir ist kein Platz für die Bedürfnisse eines anderen Menschen. Egal wer. Das ist nicht schlimm, das ist halt so. Was schlimm ist, ist was Du anderen Menschen antust, wie Du reagierst, wenn man eigene Bedürfnisse hat und sich wünscht, dass Du diese siehst und respektierst.

Ich kenne Dich. Ich habe viel über Dich gelernt in dieser Zeit. Ich weiß, dass Du mich gerade bei Deiner neuen Liebe schlecht machen wirst. Das ist Dein Muster. Du wirst mich wahrscheinlich als „Psycho“ bezeichnen, Du wirst ihr erzählen, ich hätte Dir Gegenstände an den Kopf geworfen, ich hätte Dich nie so akzeptiert, wie Du bist, Dir Freude und Leichtigkeit nicht gegönnt und Dir nicht geben können, was Du brauchst. Du wirst Ihr das Gefühl geben, dass Du das Opfer bist und ich die Täterin. Ich kenne das, auch ich stand damals auf Deiner Seite.

Was Du nicht sagen wirst, ist, dass Du mich dreist und ohne jeden Anstand belogen hast. Dass Du leere Bierflaschen vor mir versteckt hast, obwohl Du wußtest, dass mir Dein Trinken Angst gemacht hat. Deine mehrmaligen Gänge zum Büdchen am Abend, um dir angeblich ein alkoholfreies Weizen zu kaufen. Deine starke Fahne dabei und das leichte Lallen, Du hast Dir nicht mal die Mühe gemacht, das zu verbergen. Du wirst ihr nicht sagen, dass Du mir immer und immer wieder erzählt hast, dass Du nicht trinkst und es doch getan hast. Du wirst ihr nicht sagen, dass Du Dein Fehlverhalten einfach umgeleitet hast, mich wieder belogen und alles als mein unberechtigtes Misstrauen Dir gegenüber abgetan hast. Das zeigt um so mehr, wie groß Dein Problem mit dem Alkohol ist.

Was Du ihr nicht sagen wirst, ist, dass Du, als Du sie kennengelernt hast, mir noch gesagt hast, dass Du mich über alles liebst. Ich konnte schon lange in Deinen Augen sehen, dass das nicht mehr wahr ist. Punkt für sie, aber keiner für Dich.

Aber ich habe halt immer gehofft.

Du wirst ihr nicht sagen, dass Du mich von heute auf morgen verlassen hast, ohne die Situation zu klären. Dass Du mich beschimpft hast, als ich eine Klärung der Situation gefordert habe. Dass Du danach nur noch Dein schlechtes Gewissen erleichtern und es mir als Sorge um mich verkaufen wolltest. Du wirst ihr nicht sagen, dass Du jetzt schlecht über mich sprichst, weil ich mich geweigert habe, Dir Absolution für Dein Verhalten zu erteilen. Weil Du es nicht leiden kannst, wenn jemand etwas Schlechtes über Dich denkt. Du willst kein Arschloch sein, tust aber alles dafür, um wie eines zu agieren.

Du wirst ihr nicht sagen, dass ihr das auch passieren wird. Denn das wird es. Ich bin nicht die Erste und ich werde nicht die Letzte sein. Das alles wiederholt sich immer und immer wieder. Du hasst Dich selbst, die Welt und das Leben viel zu sehr, um gute Gefühle zulassen zu können. Auf diesem Weg ziehst Du eine Schneise der Verwüstung und fügst Menschen Wunden zu, die lange brauchen, um wieder zu heilen. Du nimmst das einfach in Kauf und ziehst weiter.

Es wird Zeit brauchen, aber ich werde darüber hinwegkommen. Du hast mich in dieser Beziehung allein gelassen und ich habe dadurch die Chance gehabt, mich wieder auf meine eigenen Beine zu stellen. Wenn man weiß, dass man keine Unterstützung haben wird, dann ist man gezwungen, das selbst wieder in die Hand zu nehmen. Ich habe es wieder gelernt und darauf kann ich mich jetzt stützen. 

Ich bin Dir sogar fast dankbar dafür, dass Du mir den finalen Arschtritt gegeben hast. Weil ich so endlich aufhören kann, Dinge herunterzuschlucken und auf etwas zu hoffen, was nie eintreten wird. 

Alles andere wird heilen. So wie es immer ist. 

2 Comments

  1. Ich habe jetzt eine Nacht über Deine Worte geschlafen, weil ich diese aufgrund der so schmerzhaften Zeit, welche sie beschreiben nicht wunderschön nennen wollte. Aber sie sind wunderschön und treffen den Schmerz, den ich auch fühlen musste, genau auf den hässlichen Punkt.

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