Brain: I see you’re trying to sleep, so I can offer you a selection of your worst memories from the last 10 years

Und ich so: ja.

Schlafmangel ist ein depressiver Klassiker. Ich hatte Phasen, in den ich es gerade mal auf drei Stunden Schlaf in der Nacht gebracht habe. Und die waren nicht mal gut. Unnötig zu sagen, dass der nächste Tag schon allein deshalb weit über irgendeiner Belastungsgrenze lag. 

Keine Atemübung der Welt schafft es, mein Gedankenkarussel zu stoppen. Das gelingt mir schon tagsüber meist nur mit Mühe, in der Nacht bin ich komplett verloren. Mangels Serotonin ist es, als würde mein Kopf gegen die nächtliche Stille anbrüllen. Er piesackt mich mit alten Erinnerungen und noch älteren Gefühlen, springt von Gedanke zu Gedanke und lässt mich Entscheidungen noch einmal überdenken, oder besser: anzweifeln. Ich hänge verpassten Chancen hinterher und wie ein Blitzlichtgewitter ploppen immer wieder aktuelle Fragen und Erlebnisse auf, als würde alles noch nicht reichen. 

Es ist kaum zu beschreiben, was in meinem Kopf vorgeht, geschweige denn es zu ordnen. Weil Chaos. Vermutlich ist das auch der Hauptgrund, warum ich nicht zur Ruhe komme. 

Grundsätzlich gilt: je dunkler und stiller die Nacht, desto lauter die Abrissparty in meinem Kopf. 

Die Erinnerungen und Erlebnisse lösen wiederum Gefühle aus, die mein Herz schwer werden lassen. Diese Schwere würde ich mir für meinen Kopf wünschen, wenn er dann vielleicht mal müde werden würde. So wie mein Herz müde wird, wenn es immer und immer wieder den selben Schmerz spürt. 

Klappt aber nicht. 

Der Kopf zwickt das Herz und der Schmerz lässt mich von der einen auf die andere Seite wälzen. Irgendwas fängt an zu jucken, irgendeine Stelle meines Körpers unter der Decke wird zu warm und friert dann sofort wieder, wenn sie nicht mehr unter der Decke ist. Ich finde keine bequeme Schlafposition und mein depressives Hirn bescheinigt mir sofort, dass das so sein muss, weil es zum Leiden dazugehört. 

Leider habe ich das auch in nicht depressiven Phasen, dann aber glücklicherweise weniger regelmäßig. 

Es ist, als wäre mein Leben so voll mit Erlebnissen, dass die Träume es nicht schaffen, sie allein zu verarbeiten und sich deshalb den wachen und rationalen (haha) Teil dazu holen, um mit der Arbeit nicht allein zu sein. 

Ich durchlebe dann jeden Schmerz noch einmal, treibe mich selbst in der äußeren Dunkelheit in meine innere Dunkelheit hinein. 

In der Nacht ist der Kopf eine Dramaqueen. Ich weiß das und ich sage mir das immer wieder. Ich sage mir, dass ich meinen Gedanken in der Nacht nicht trauen kann. Ich sage mir, dass der Schmerz in der Dunkelheit größer wird. Und manchmal klappt das sogar.

Oft aber auch nicht. Was helfen kann, ist die Rationalität. Denn das, was da passiert ist eigentlich eine rein körperliche Sache. Der Körper fährt runter, die Temperatur sinkt, was dazu führen kann, dass man dünnhäutiger und leichter reizbar wird. Melatonin wird ausgeschüttet, was nicht unbedingt für ein sonniges Gemüt sorgt. 

Oft sage ich dann laut „STOP“, um mich selbst anzuhalten. In den nicht depressiven Phasen klappt das sogar ganz gut. Ich versuche dann auf schöne Erinnerungen umzuschalten oder hänge Wunschträumen nach. Das schreibe ich auf, manchmal direkt, manchmal am nächsten Tag. Damit ich bei Bedarf wieder darauf zurückgreifen kann. Notizen sind ein wichtiger Bestandteil meines Lebens geworden, damit ich gute Dinge nicht vergesse und damit ich ihr Gefühl wiederfinden kann, wenn ich mal wieder ins Leere trete. 

Die letzte Nacht hängt mir heute den ganzen Tag nach. Mein Kopf ist matschig, die Augenlider sind schwer. Aber meine Gedanken sind sortiert, die guten Ereignisse notiert und die Wärmflasche liegt parat. Eigentlich eine ganz gute Ausgangslage, hoffen wir mal das Beste. 

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